Konzertlesung mit Martin Schleske und Alban Beikircher

 

Wer sich die Zeit nehmen konnte, am Samstag, den 11. März um 19.30 Uhr auf der LaHö die Konzertlesung von Martin Schleske (Geigenbaumeister, Physiker und Autor) und Alban Beikircher (Violine) zu besuchen, bekam eine ganz besonders gehaltvolle Darbietung präsentiert.
In fast zwei Stunden erlebten wir ein lebendiges Wechselspiel zwischen Schleskes philosophischen Gedankengängen und vorgetragenen Passagen aus seinen Büchern „Der Klang“ und „Herztöne“ und Beikirchners höchst anspruchsvollem Geigenspiel.

Alle Phasen des Geigenbaus, vom Auffinden des geeigneten Holzes bis hin zur Wölbung und Lackierung des Instrumentes, übertrug der Autor auf die Lebens- und Entwicklungsabschnitte, die einen Menschen zu einer einzigartigen Persönlichkeit werden lassen. Eine gute Geige benötigt eine besondere Sorte Holz. Ein außergewöhnliches Klangholz muss langsam wachsen, auf mageren Böden, unter widrigen Bedingungen. So wie auch bei Menschen, die unter schwierigen Gegebenheiten ihrer Anlagen, Erfahrungen, ihres Umfeldes mühsame Entwicklungsprozesse durchlaufen haben, gerade dadurch zu ganz besonderen Persönlichkeiten werden. Aber auch gutes Klangholz klingt nicht zwangsläufig. Es muss in der richtigen Weise gehalten sein, so dass es optimal in Schwingung gebracht werden kann.

So muss auch der Mensch seine Mitte und Berufung finden – gehalten in der Gnade, die ihm ein Leben im Vertrauen ermöglicht. Schleske entwickelte noch viele weitere gleichnishaften Bezüge, berichtete von der Ruhe des Herzens = Vertrauen (die Gewissheit, dass wir gehalten sind), der Unruhe des Herzens = Berufung („ich bin selbst Holz des Meisters“), vom Beten („Worte des Herzens“), von der Suche nach Gott („wir sollen Suchende bleiben“), vom „suchenden Geist des Glaubens“.

Wer meinte sich an diesem Abend gemütlich zurücklehnen zu können und einfach entspannt einen schönen Vortrag mit harmonischem Violinkonzert zu genießen wurde eines anderen belehrt. Die Dichte der mit viel Ruhe vorgetragenen Bilder, Gedanken und Inspirationen forderte doch einiges an Konzentration ab, ebenso das hervorragende Geigenspiel des virtuosen Musikers Alban Beikircher, der auf einer Geige von Martin Schleske spielte.

Ich muss zugeben, dass mir Martin Schleske bisher unbekannt war. Umso mehr bin ich dankbar, dass ich an diesem Abend auf der LaHö einen Menschen kennenlernen durfte, der sich immer wieder neu auf die Suche macht, - nicht nur nach dem perfekten Klang, sondern auch nach dem tieferen Sinn im Leben und dem Geheimnis Gottes.

Ein Abend, der nachklingt!
Undine Weber